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GENAUER BETRACHTET:

Was machen Justizreporter?

Das Recht und die Gerichte entscheiden über unsere gesellschaftliche Ordnung. Es lohnt sich deshalb, einen genaueren Blick auf das Recht zu werfen. Diesen Job übernehmen Justizreporter, indem sie die Öffentlichkeit über die neuesten rechtlichen Entwicklungen informieren. Doch wie genau arbeiten Justizreporter? Eine Einführung.

Die Arbeit von Justizreportern erscheint auf den ersten Blick tröge. Während andere Journalisten aus Krisengebieten oder aus Fußballstadien berichten, beschäftigen sich Justizreporter mit Gesetzen und besuchen Gerichtsverhandlungen. Doch der erste Eindruck täuscht. Das Recht ist weit mehr als nur ein paar auf Papier gedruckte Paragraphen. Es stellt die Regeln für unser Zusammenleben auf und formt damit unsere gesellschaftliche Ordnung. Das Recht entscheidet, wie wir leben und wie unsere Gesellschaft funktioniert. So zeigt uns zum Beispiel das Strafrecht, welche Handlungen unsere Gesellschaft duldet und welche sie missbilligt. Oder das öffentliche Recht, welche Grenzen dem Staat bei seinem Handeln gesetzt sind. Und wenn es Streitigkeiten über Vorschriften gibt, dann helfen Gerichte bei der Beurteilung. Der Blick auf das Recht lohnt sich also. Umso wichtiger ist es, dass es Justizreporter gibt, die das Recht im Blick behalten, indem sie Entwicklungen auf dem Gebiet der Gesetzgebung und Rechtsprechung dokumentieren, analysieren, einordnen und kommentieren. Ihre Arbeit bringt einige Besonderheiten mit, die sie von der Tätigkeit anderer Journalisten unterscheidet.

Für Juristen und die interessierte Öffentlichkeit

Die Berichte von Justizreportern zielen in der Regel auf zwei Zielgruppen ab, die unterschiedliche Erwartungen an die Berichte haben. Zuallererst berichten Justizreporter für die breite Öffentlichkeit, weshalb die Berichte gerade auch für solche Medienkonsumenten verständlich sein müssen, die juristisch nicht vorgebildet sind. Zur breiten Öffentlichkeit gehören aber auch Juristen, die sich von den Berichten vertiefte oder spezifische Informationen erhoffen, beispielsweise das Aktenzeichen des Gerichtsverfahrens, über das berichtet wird. Justizreporter haben somit die nicht immer leichte Aufgabe, diesen beiden Erwartungshaltungen gerecht zu werden. Der Bericht muss für die Juristen eine gewisse Tiefe an Informationen enthalten, darf aber gleichzeitig für die Nicht-Juristen nicht zu kompliziert und unverständlich werden.

Vor-Nachher-Analyse

Justizreporter müssen vor allem analysieren können. Wenn es um neue Gesetze oder Urteile geht, dokumentieren Justizreporter diese Entwicklungen nicht nur einfach, sondern widmen sich auch der Frage: Was ändert sich durch das Gesetz oder die Entscheidung eigentlich? Um diese Frage beantworten zu können, müssen Justizreporter eine Vor-Nachher-Analyse vornehmen. Ausgangspunkt ist die bisherige Rechtslage. Das umfasst nicht nur bisherige Gesetze zu dem Themenkreis, sondern auch das, was Gerichte bislang hierzu entschieden haben. Auch die Frage, wie bestehende ähnliche Gesetze bislang in der Praxis angewendet wurden, kann eine Rolle spielen.

Der Showdown in Karlsruhe: Wird das Gesetz gekippt?

Fast genauso wichtig wie die Frage, was ein Gesetz bewirkt, ist die Frage, ob es einer Prüfung durch das Bundesverfassungsgericht standhält. In diesem Zusammenhang können Justizreporter der Öffentlichkeit wichtige Zusatzinfos präsentieren, z.B. bisherige Entscheidungen zu diesem Thema oder die Ansichten von Experten, und gegebenenfalls eine eigene Prognose abgeben, insbesondere mit Blick auf die beteiligten Richter. Da gerade das Verfassungsrecht viel Raum für Abwägungen bietet, kommt es oft auf persönliche Ansätze oder weltanschauliche und politische Hintergründe der einzelnen Richter an. Justizreporter können hier anhand anhand von bisherigen Entscheidungen oder Veröffentlichungen der Richter oder Gesprächen mit Experten oder den Richtern selbst ein erstes Bild von möglichen Entscheidungen zeichnen.

Auf die Begründung kommt es an

Ein weiterer wichtiger Bestandteil der Arbeit von Justizreportern ist die Analyse von Urteilsbegründungen. Richter haben bei ihren Entscheidungen geltendes Recht und die bisherige Rechtsprechung zu beachten und bestimmte Prüfungsschritte einzuhalten. Justizreportern kommt in diesem Zusammenhang die Aufgabe zu, die Entscheidung der Richter mit Blick auf die bestehende Gesetzeslage und die bisherigen Urteile zu analysieren und die Richter - sofern notwendig - mit dem Ergebnis ihrer Analyse zu konfrontieren. Zudem können sie der Öffentlichkeit das Urteil näher bringen, indem sie die häufig sehr formalistische Juristensprache übersetzen und zusammenfassen.

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